Betriebsprüfung in der Gruppenpraxis – häufige Stolperfallen und wie Sie sie vermeiden
Warum Gruppenpraxen besonders im Fokus stehen
Gruppenpraxen bieten zahlreiche Vorteile – Synergien, geteilte Investitionen und organisatorische Entlastung. Doch gerade ihre komplexere Struktur macht sie auch anfälliger für steuerliche Prüfungen. In den letzten Jahren zeigt sich: Gruppenpraxen stehen bei Betriebsprüfungen besonders im Fokus, vor allem bei unklaren Verrechnungsmodellen oder bei Beteiligungen von Angehörigen.
Typische Prüfungsfelder in der Gruppenpraxis
1. Umsatzverteilung und ärztliche Beteiligungen
Häufigster Streitpunkt: Ist die Verteilung der Einnahmen zwischen den Ärzt:innen wirtschaftlich nachvollziehbar und fremdüblich?
Problematisch: Unklare oder mündliche Vereinbarungen über Gewinnverteilung oder Leistungshonorare.
Prüfungskriterium: Erfolgt die Verteilung nach Leistung, Arbeitszeit oder Beteiligungsquote – und ist dies vertraglich dokumentiert?
2. Verdeckte Gewinnausschüttungen (vGA)
Besonders relevant bei GmbH-Strukturen:
Werden Leistungen unentgeltlich oder unter Wert für Gesellschafter:innen erbracht?
Zahlt ein Gesellschafter z. B. weniger Miete als externe Ärzt:innen?
Wenn ja, kann das Finanzamt eine verdeckte Gewinnausschüttung unterstellen – mit massiven steuerlichen Folgen.
3. Nutzung von Praxisräumen und Infrastruktur
Wird ein Raum mit „privatem“ Charakter (z. B. ein Wohnbereich im selben Haus) steuerlich geltend gemacht?
Bestehen Mietverhältnisse mit Angehörigen, ohne marktübliche Konditionen?
Gibt es eine schriftliche Nutzungsvereinbarung für Räume, Geräte, Personal?
4. Anstellungsverhältnisse von Familienmitgliedern
Werden Angehörige in der Gruppenpraxis angestellt oder bezahlt?
Ist das Gehalt branchenüblich, die Leistung dokumentiert und die Arbeitszeit nachweisbar?
Prüfer:innen fordern zunehmend Leistungsnachweise, Zeitaufzeichnungen und Tätigkeitsbeschreibungen – auch bei Vertrauensverhältnissen im Team.
5. Privatnutzung von PKW, Handy & Co
Auch bei Nutzung durch mehrere Gesellschafter:innen ist auf ordnungsgemäße Aufteilung und Versteuerung des Sachbezugs zu achten.
Wichtig: Fahrtenbücher und Nutzungsaufteilungen müssen geführt werden – auch bei Leasingfahrzeugen.
Wie Sie sich optimal vorbereiten
Dokumentation ist alles:
Schriftliche Verträge mit allen Gesellschafter:innen
Ordentliche Geschäftsführungsprotokolle bei GmbHs
Nachvollziehbare Regelungen zur Kostenverteilung (z. B. Miete, Personal, Geräte)
Fremdvergleich beachten:
Würde eine vergleichbare Vereinbarung mit einem externen Arzt/einer Ärztin genauso gestaltet?
Gibt es interne oder externe Vergleichswerte für Honorare, Mieten, Gehälter?
Frühzeitig Steuerberatung einbinden:
Wir simulieren für Sie Betriebsprüfungsszenarien, identifizieren Schwachstellen und unterstützen bei der Plausibilisierung Ihrer Modelle.
Fazit
Eine Gruppenpraxis bringt viele Vorteile – aber auch mehr Dokumentations- und Prüfaufwand. Wer seine Verträge und Strukturen regelmäßig steuerlich überprüfen lässt, kann unangenehme Nachforderungen vermeiden und behält auch in einer Prüfung die Kontrolle.
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Hinweis: Es gelten die rechtlichen Vorschriften zum Stichtag 16.02.2026. Eine Anpassung an eventuelle rechtliche Änderungen wird in diesem Artikel nicht vorgenommen.
Director I Steuerberaterin
Anna Pasquale ist Steuerberaterin und Director von Simplify Tax Steuerberatung. Sie konzentriert sich darauf, maßgeschneiderte Lösungen für ihre Klienten zu finden. Mit einem klaren Blick für Details und einem proaktiven Ansatz unterstützt sie Unternehmen und Privatpersonen, ihre steuerlichen Herausforderungen effektiv zu meistern.