Unbesetzte Kassenarztstellen – was bedeutet das für niedergelassene Ärzt:innen und ihre wirtschaftliche Planung?
In Österreich bleiben immer mehr Kassenarztstellen unbesetzt. Was früher vor allem ein Problem einzelner ländlicher Regionen war, entwickelt sich zunehmend zu einer strukturellen Herausforderung für das gesamte Gesundheitssystem. Gemeinden und Sozialversicherungsträger suchen oft über Monate hinweg nach Nachfolger für bestehende Ordinationen – teilweise ohne Erfolg.
Die Ursachen sind vielfältig. Einerseits steigt der Bedarf an medizinischer Versorgung durch die alternde Bevölkerung und eine Zunahme chronischer Erkrankungen. Andererseits entscheiden sich viele junge Ärzt:innen bewusst gegen eine Tätigkeit als Kassenarzt oder Kassenärztin. Häufig werden flexiblere Arbeitsmodelle bevorzugt, etwa im Wahlarztbereich oder in Anstellungen im Krankenhaus oder in Gruppenpraxen.
Neben organisatorischen und arbeitsrechtlichen Faktoren spielt dabei auch die wirtschaftliche Perspektive eine wichtige Rolle. Der Betrieb einer Kassenordination ist mit umfangreichen administrativen Pflichten, Investitionen und laufenden Kosten verbunden. Gleichzeitig sind Honorare im Kassensystem weitgehend vorgegeben. Für Ärzt:innen stellt sich daher zunehmend die Frage, wie sich eine Ordination langfristig wirtschaftlich sinnvoll führen lässt.
Genau hier gewinnt auch die steuerliche und betriebswirtschaftliche Planung an Bedeutung. Die Wahl der richtigen Ordinationsstruktur, Investitionsentscheidungen, steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten sowie Fragen rund um Gewinnermittlung, Sozialversicherung oder Praxisnachfolge können einen wesentlichen Einfluss auf die wirtschaftliche Stabilität einer Praxis haben.
Gerade in Zeiten, in denen Kassenstellen schwieriger zu besetzen sind und sich die Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärzt:innen verändern, wird eine vorausschauende steuerliche Beratung immer wichtiger. Sie hilft dabei, wirtschaftliche Risiken besser einzuschätzen und langfristige Entscheidungen – etwa bei der Niederlassung, Expansion oder Übergabe einer Ordination – fundiert zu treffen.
Für Ärzt:innen lohnt es sich daher, neben medizinischen auch steuerliche und betriebswirtschaftliche Aspekte frühzeitig in die Planung der eigenen Praxis einzubeziehen.
Hinweis: Es gelten die rechtlichen Vorschriften zum Stichtag 20.04.2026. Trotz sorgfältiger Datenzusammenstellung können wir keine Gewähr für die vollständige Richtigkeit und Aktualität der dargestellten Informationen übernehmen. Eine Anpassung an eventuelle rechtliche Änderungen wird in diesem Artikel nicht vorgenommen. Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen im Rahmen unserer Berufsberechtigung jederzeit gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung.
Visuelle Gestaltung: Hannah Dardis
Quelle: Kassenarztstellen bleiben unbesetzt - burgenland.ORF.at
Associate
Sofiia Reznichenko unterstützt unsere Kanzlei als Assistentin in der Steuerberatung und bringt ihr aktuelles Fachwissen aus dem Studium des Wirtschaftsrechts in die Praxis ein. Ihr besonderes Interesse gilt steuerrechtlichen und unternehmensrechtlichen Fragestellungen.