Ordinationsverkauf: Warum eine frühzeitige steuerliche Planung entscheidend ist
Der Verkauf einer Ordination ist für viele Ärzt:innen einer der bedeutendsten wirtschaftlichen Schritte ihrer beruflichen Laufbahn. Neben der Suche nach einer geeigneten Nachfolge spielen vor allem steuerliche Aspekte eine wichtige Rolle. Wer rechtzeitig plant, kann finanzielle Nachteile vermeiden und bestehende Begünstigungen optimal nutzen.
Frühzeitig mit der Planung beginnen
Expert:innen empfehlen, die Nachfolgeplanung bereits mehrere Jahre vor dem geplanten Verkauf zu starten. Dadurch bleibt ausreichend Zeit, die Ordination organisatorisch und wirtschaftlich optimal auf eine Übergabe vorzubereiten. Auch steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten können so rechtzeitig geprüft werden.
Wie wird der Wert einer Ordination ermittelt?
Der Verkaufspreis setzt sich in der Regel aus zwei Komponenten zusammen:
dem Substanzwert (medizinische Geräte, Einrichtung, Ausstattung)
dem Goodwill (Patient:innenstamm, Lage, Reputation und Ertragskraft)
Gerade der Goodwill macht bei vielen Ordinationen einen wesentlichen Teil des Kaufpreises aus. Eine professionelle Bewertung schafft sowohl für Verkäufer:innen als auch für Käufer:innen eine objektive Grundlage für die Preisverhandlung.
Veräußerungsgewinn ist grundsätzlich steuerpflichtig
Wird eine Ordination verkauft, entsteht häufig ein sogenannter Veräußerungsgewinn. Dieser ergibt sich vereinfacht aus der Differenz zwischen Verkaufserlös und dem steuerlichen Wert des Betriebsvermögens. Grundsätzlich unterliegt dieser Gewinn der Einkommensteuer.
Unter bestimmten Voraussetzungen können jedoch steuerliche Begünstigungen in Anspruch genommen werden. Dazu zählen insbesondere Freibeträge oder Tarifbegünstigungen im Zusammenhang mit der Betriebsaufgabe beziehungsweise dem Eintritt in den Ruhestand. Die Voraussetzungen sollten im Einzelfall sorgfältig geprüft werden.
Umsatzsteuer nicht unterschätzen
Ein häufiger Irrtum besteht darin, dass ein Ordinationsverkauf automatisch umsatzsteuerfrei sei. Ob Umsatzsteuer anfällt, hängt von der konkreten Ausgestaltung der Übergabe ab. Insbesondere bei der Übertragung einzelner Wirtschaftsgüter oder bestimmter immaterieller Werte können umsatzsteuerliche Fragen entstehen. Eine frühzeitige steuerliche Analyse ist daher unerlässlich.
Fazit
Ein erfolgreicher Ordinationsverkauf beginnt lange vor der Vertragsunterzeichnung. Wer sich frühzeitig mit Praxisbewertung, steuerlichen Begünstigungen und der optimalen Übergabestruktur beschäftigt, kann den Verkauf wirtschaftlich und steuerlich bestmöglich gestalten.
Unsere Kanzlei unterstützt Sie gerne bei allen steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen rund um den Ordinationsverkauf.
Hinweis: Es gelten die rechtlichen Vorschriften zum Stichtag 29.06.2026. Trotz sorgfältiger Datenzusammenstellung können wir keine Gewähr für die vollständige Richtigkeit und Aktualität der dargestellten Informationen übernehmen. Eine Anpassung an eventuelle rechtliche Änderungen wird in diesem Artikel nicht vorgenommen. Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen im Rahmen unserer Berufsberechtigung jederzeit gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung.
Visuelle Gestaltung: Hannah Dardis
Associate
Sofiia Reznichenko unterstützt unsere Kanzlei als Assistentin in der Steuerberatung und bringt ihr aktuelles Fachwissen aus dem Studium des Wirtschaftsrechts in die Praxis ein. Ihr besonderes Interesse gilt steuerrechtlichen und unternehmensrechtlichen Fragestellungen.